Der Publizist Henryk M. Broder hat die Bombe platzen lassen. Noch vor wenigen Wochen hat er angekündigt, im kommenden Jahr für das Amt des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland zu kandidieren. „Ich habe mich ein paar Mal derart über die geärgert, daß ich beschlossen habe: Jetzt reicht es mir! Jetzt bin ich dran!“, so Broder gegenüber Focus. Broder galt immer schon als glänzender Provokateur. Daher überrascht es kaum, daß seine „Bewerbung“ um das höchste Amt beim Zentralrat der Juden eine gezielte Quertreiberei war. Nach einigen Tagen öffentlicher Debatten erklärte Broder: „Ich mache es nicht. Ich bin weder größenwahnsinnig noch vergnügungssüchtig!“ Deutschland liebe zwar „Unruhestifter, Querdenker und Seiteneinsteiger“, so Broder weiter, „aber nur so lange, wie sie darauf achten, daß alles so bleibt, wie es ist“.
Den Zentralrat attackierte er scharf, als er am 21. Oktober 2009 seine Kandidatur für das Amt des Vorsitzenden bekanntgab: „Wenn sich der Zentralrat äußert, kommt es fast immer zu Peinlichkeiten. Zuletzt hat der Generalsekretär Stephan Kramer den Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin, über dessen Thesen zur Integration von Einwanderern man natürlich streiten kann, in die Nähe von Hitler und Goebbels gerückt. Ich finde das unerträglich.“ Broder griff erneut Rats-Präsidentin Charlotte Knobloch an: „Ich finde, sie ist eine nette Frau. Wenn sie irgendwo einen Verein zionistischer Hausfrauen organisieren würde, wäre das sicher das Richtige“. Er bekräftigte zudem seine Forderung, den Straftatbestand der Holocaust-Leugnung abzuschaffen. Broder zeigte sich zudem überzeugt, daß es „keine partikularen jüdischen Interessen“ in Deutschland gibt. Stattdessen seien „Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat“ die Werte, die es offensiv zu verteidigen gelte.
Der 1946 in Kattowitz (Schlesien) geborene Henryk M. Broder gehört seit Ende der 1960er Jahre zu jenen Journalisten, die es verstehen, die deutsche Öffentlichkeit immer wieder zu polarisieren. Anfänglich selbst noch der linksradikalen Szene zugehörig, wirft Broder ihr heute ihr „Gutmenschentum“ und ihre Realitätsferne in Bezug auf die „multikulturelle Gesellschaft“ vor. Broder spricht im Zusammenhang mit dem seiner Meinung nach zu nachsichtigen Umgang mit islamischen Immigranten in Deutschland von „Inländerfeindlichkeit“. Ein neues Phänomen sei, „daß ein Teil der Migranten die Gesellschaft verachtet, in die er gekommen ist.“ Broder schreibt regelmäßig für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel sowie für den Berliner Tagesspiegel.
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