Stubbe, Filz und Vetternwirtschaft

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Das ZDF als Propagandist linksradikaler Verschwörungstheorien: Für den Krimi Stubbe – Von Fall zu Fall „berieten“ linke Lobbygruppen den öffentlich-rechtlichen Sender.

Kommissar Wilfried Stubbe (Wolfgang Stumph) hat wieder einmal den richtigen Riecher. Am Hamburger Elbstrand wird eine Wasserleiche angespült. Schnell ist klar, daß der tote Vietnamese eine lange Reise in der Elbe hinter sich hat. Bereits vor Wochen ist er im kleinen mitteldeutschen Städtchen Elbermünde einfach so verschwunden. Gewaltverbrechen, das ist klar: Vietnamesische Zigarettenmafia, Bandenkrieg, kennt man schon. Doch Stubbes Nase läßt ihn nicht im Stich: Es handelt sich um eine brutale ausländerfeindliche Tat, das ganze Städtchen Elbermünde scheint unter einer Decke zu stecken, selbst Kripo, örtliche Polizei und Stadtverwaltung scheinen das finstere Treiben der Neonazis vor Ort zu decken. Stubbe steht allein, nur einige wackere Antifaschisten und ein durch Alkoholprobleme etwas derangierter ehemaliger Polizeikollege helfen ihm.

Mitteldeutschland – das Land der fiesen Kleinbürger und Ausländerhasser, das Land der geduldeten Gewaltnazis und gehässigen Dorfpolizisten, das Land, in dem Stadtverwaltungen lieber Däumchen drehen und den Mund halten. In diesem Mitteldeutschland ermittelt Hauptkommissar Stubbe, seine aus Hamburg herbeigeeilte Tochter schließt sich vor lauter Begeisterung gleich der örtlichen Antifa an, und am Schluß hält Stubbe sogar noch eine Rede vor der Hamburger Polizei – ausgerechnet zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit –, die bräsiger und oberlehrerhafter nicht einmal Wolfgang Thierse hätte halten können. Doch das Land dieses Fernsehfilms ist ein frei erfundenes Mitteldeutschland. Es ist dermaßen unrealistisch, daß selbst die linksalternative Berliner TAZ der Szenerie das Prädikat „holzschnittartig“ verlieh.

Das Mitteldeutschland, das am Abend des 21. November 2009 in die deutschen Wohnzimmer flimmerte, ist eine Erfindung von Peter Kahane. Nach Recherchen von ZUERST! findet der eigentliche Krimi hinter den Kulissen von „Stubbe – von Fall zu Fall“ statt. Es ist eine Story über alte, gutgeölte DDR-Connections, über das linksradikale Establishment, Vetternwirtschaft und über den unverantwortlichen Umgang mit Rundfunkgebühren. Die Hauptdarsteller sind nicht etwa Kriminalhauptkommissar Stubbe und seine Tochter, sondern die Familie Kahane und ihr linkes Netzwerk.

Da wäre die Hauptperson, der Drehbuchautor und Regisseur Peter Kahane (60): Er brauchte sich seine Geschichte über den angeblich rassistischen, feigen Osten der Bundesrepublik Deutschland nicht erst aus den Fingern zu saugen. Kahane machte bereits als Filmemacher in der DDR Karriere. Dort, so kann man lesen, wollte er in seinem Hauptprüfungsfilm an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg Trompete – Glocke – Letzte Briefe (1977) „den Heldenmythos proletarischen Lebens … vermenschlichen“. In der DDR wurde in jenen Jahren das Bild einer von Nationalsozialisten gekaperten Bundesrepublik propagiert. Und um das zu untermauern, schreckte vor allem das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) nicht mal davor zurück, mit Hakenkreuzschmierereien in Westdeutschland nachzuhelfen. Karl-Eduard von Schnitzler, genannt „Sudel-Ede“, hetzte in seinem Schwarzen Kanal gegen den westdeutschen Klassenfeind, der angeblich durch und durch nationalsozialistisch durchtränkt war. Von Schnitzlers Botschaft: Im Westen regiert das faschistische Böse gegen die Menschlichkeit und den Fortschritt des Ostens. Das gesamte westdeutsche Gesellschaftsystem ist vom faschistischen Geist geprägt.

Daß man dieses Prinzip nun fast Eins zu Eins auf das Drehbuch Peter Kahanes über die mitteldeutsche Kleinstadt Elbermünde übertragen kann, mag da wenig verblüffen. Mit der Realität hat dies allerdings wenig zu tun. Die Dresdner Polizei äußert auf Nachfrage von ­ZUERST!, ihre Beamten seien „über jeden Zweifel erhaben“. Und auch der Pressesprecher des Brandenburger Innenministeriums, Peer Piorkowski, meint auf Nachfrage, die Polizei in Brandenburg hätte sich nichts vorzuwerfen. Im Gegenteil, Piorkowski verweist darauf, daß man gegenüber „Gewalt von rechts“ ganz besonders wachsam sei. Auch die Stadtverwaltungen von Angermünde und anderen mitteldeutschen Städten weisen weit von sich, sie würden mit „Nazis“ gemeinsame Sache machen und Gewalt tolerieren.

Doch wie kommen Peter Kahane und das ZDF dann zu einem solchen Zerrbild? Die Antwort auf diese Frage könnte bei der Beratungstätigkeit der Amadeu Antonio-Stiftung liegen. Gegenüber ZUERST! räumte das ZDF ein, daß die Stiftung die Produktion der Stubbe-Sendung „beratend“ begleitet habe. Peter Kahane dürfte der Stiftung nahestehen. Der Grund: Die Stiftung wird von seiner eigenen Schwester, Anetta Kahane, geleitet. Anetta und ihr Bruder Peter führten einst in der DDR ein privilegiertes Leben, beide gehörten zu der Handvoll DDR-Bürger, die trotz Mauersozialismus die Welt bereisen durften. Anetta Kahane bespitzelte für die DDR-Staatssicherheit zwischen 1974 und 1982 ihr persönliches und berufliches Umfeld. So erlebten die Kahanes die Schokoladenseite der DDR. In den 1980er Jahren will Anetta Kahane mit dem DDR-Staatssozialismus gebrochen haben. Doch weder der diktatorische Charakter des Systems, noch Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl führten zu ihrem angeblichen Abfall vom DDR-System, sondern der „kalte, rassistische und teilweise auch antisemitische DDR-Alltag“. Nach der Wende wußte Frau Kahane sofort im neuen System ihre Rolle zu finden. Auch hier kultivierte sie ihre Position als Mahnerin vor Rassismus und – der Begriff fällt nun oft – „Menschenfeindlichkeit“. Mit ihrer Amadeu Antonio-Stiftung malt sie seit Jahren das düstere Bild der angeblich tiefbraunen „No-Go-Area“ Mitteldeutschland und sammelt fleißig Spenden und Fördergelder, die sie dann unter anderem an linksradikale Gruppen weiterreicht. Das Institut für Staatspolitik aus Schnellroda hat in einer eigens über die Stiftung angefertigten Studie dutzende Beispiele genannt, wo Fördergelder bei irgendwelchen linksextremistischen Grüppchen versickern.

Das Programm ist auch hier klar: „Nazis“ sind allenfalls eine extreme Erscheinung einer angeblich breiten rechten Grundstimmung, die es zu bekämpfen gilt. Und wenn Stubbe-Darsteller Stumph mitteilt, daß der Film nicht nur ein „Film über Neonazis“ sei, „sondern auch über die gleichgültige Bevölkerung, die wegschaut“, dann hat er die finstere Botschaft der Geschwister Kahane schon völlig verinnerlicht.

Als wäre das nicht genug, hat sich bei der Stubbe-Produktion auch noch Bernd Wagner (54) vom „Nazi-Aussteigerprojekt“ EXIT mit eingehängt. Wagner gehört im linken Kahane-Netzwerk zu den verläßlichsten Säulen. Denn auch Wagner warnt Tag und Nacht vor der braunen Machtübernahme in Mitteldeutschland. Der ausgebildete Kriminologe lernte – ähnlich wie Anetta Kahane – sein Handwerk in der DDR. Bereits in seiner Zeit als Oberstleutnant der Volkspolizei war er für die Beobachtung der rechtsextremistischen Szene in der DDR verantwortlich. Doch da es diese nach offizieller Staatsdoktrin im Arbeiter-und-Bauern-Staat theoretisch gar nicht geben konnte, fanden Wagners Aufforderungen an die zuständigen DDR-Staatsorgane kein Gehör. Nach der Wende konnte er sich ebenfalls schnell mit den neuen Zuständen anfreunden. So war er bis 1991 Leiter des gemeinsamen kriminalpolizeilichen Staatsschutzes der fünf neuen Bundesländer. Heute vertritt er vehement die These von einer rechtsradikalen Dominanz der Alltagskultur in Mitteldeutschland, auf die mit gesamtgesellschaftlich breiten Maßnahmen geantwortet werden müsse. Völkisch-rassistisches Denken sei „ein deutsches Kontinuum, das sich durch aktuelle Problemlagen immer wieder revitalisiert, insbesondere seit der Wiedervereinigung“. Im Gespräch mit dem linkslastigen Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) wurde Wagner noch deutlicher und formulierte: „Der Flickenteppich rechtsextremer Ideologie lebt im Volke, militante und uniformierte Gruppen sehen sich als legitimierte Vollstrecker.“ Und heute? Wie berät Wagner das ZDF? In der Stubbe-Folge müssen „Neonazi-Aussteiger“ entweder gleich den Kontinent wechseln oder werden von ihren ehemaligen „Kameraden“ mit Schüssen in den Rücken hingerichtet. Entspricht das der Realität? Keiner der mitteldeutschen Innenbehörden sind solche drastischen Fälle bekannt.

Vielleicht hätte man sich Bernd Wagner und Anetta Kahane als ZDF-Berater auch einfach schenken können? Fragen über Fragen. Die wichtigsten davon: Welche Art von Beraterverträgen schloß das ZDF mit Wagner und Kahane? Wie findet eine solche Beratung statt? Wieviel Geld ist geflossen? Wer ist für den Abschluß solcher Verträge verantwortlich? Welche Rolle spielte dabei, daß Annetta Kahane die Schwester des Regisseurs und Drehbuchautors Peter Kahane ist? Beim ZDF fühlt sich niemand dafür zuständig. Selbst die Presseabteilung behauptet, über „solche Dinge“ nicht informiert zu sein. Die Redaktion von „Stubbe“ geht auf Tauchstation, äußert sich trotz tagelanger Anfragen von ­ZUERST! per Telefon, E-Post und Fax nicht.

Sind Anetta Kahane und Bernd Wagner überhaupt tragbar als „Berater“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks? Auch der ZDF-Intendant war zu einer Stellungnahme nicht bereit. Man schweigt und duldet – genauso wie die Bösewichter im tiefbraunen mitteldeutschen Phantasieland der Geschwister Kahane.

Manuel Ochsenreiter

Amadeu Antonio-Stiftung:

Die Amadeu Antonio-Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts. Als Ziel gibt sie an, die Zivilgesellschaft stärken zu wollen, die einer angeblich rechtsextremen Alltagskultur entgegentritt. In der Vergangenheit wurden immer wieder linksradikale Initiativen und Organisationen von der Stiftung gefördert. Derzeit fördert das Bundesfamilienministerium zwei mehrjährige Initiativen der Stiftung, zur Höhe der Summen wollte sich das Ministerium gegenüber ZUERST! nicht äußern.

Das Institut für Staatspolitik veröffentlichte im Jahr 2003 in seiner wissenschaftlichen Reihe eine Studie über die Stiftung (Erosion der Mitte. Die Verflechtung von demokratischer und radikaler Linker im „Kampf gegen Rechts“ am Beispiel der Amadeu Antonio-Stiftung), die von Anetta Kahane geleitet wird.


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