Frauen, Fußball, Multikulti

Auswärtiges Amt fördert „Frauen-Fußball-Kultur-Festival“ in Berlin

Für den gemeinen Berliner Fußballfreund brechen schwere Zeiten an, denn der Traditionsverein Hertha BSC spielt ab der kommenden Saison nur noch zweitklassig. Da heißt es, nach Alternativen Ausschau zu halten. Einen Vorgeschmack dazu bot das „Frauen-Fußball-Kultur-Festival“, das unter dem Motto „Discover Football“ parallel zur letzten Woche der FIFA-WM in Südafrika stattfand. Der Verein „Fußball und Begegnung“ hatte sieben Teams aus sieben Ländern eingeladen, der „deutsche“ Vertreter trug den Namen „Al-Dersimspor“ – ein ursprünglich türkischer, inzwischen multikultureller Verein aus Kreuzberg.

Ausschlaggebend für die Einladung nach Berlin waren nicht etwa die sportlichen Leistungen der Teams, sondern war deren soziales Engagement: Eine Jury, zu der auch DFB-Präsident Theo Zwanziger gehörte, wählte z.B. das afghanische Nationalteam aus, weil die Spielerinnen Vorreiter für die Emanzipation in ihrer muslimischen Heimat seien; für die Ketschua-Indio-Damen aus Saraguro, Ecuador, soll der Fußball ein Mittel sein, um „gegen die Unterdrückung ihres Volkes“ anzustürmen, das Team FODEDE („Football to Develop Destitute“, auf deutsch: Fußball zur Förderung der Mittellosen) aus dem westafrikanischen Liberia bezieht seine Qualifikation aus der Tatsache, daß „alle Spielerinnen besonders unterprivilegiert“ sind und „unterhalb der Armutsgrenze leben“. Aus dem Süden des schwarzen Kontinents gesellte sich das „Masco HIV AIDS Sports Project“ aus Sambia zum bunten Reigen. Auch diese Frauen zeichnen sich durch Mittellosigkeit, vor allem aber durch ihre Funktion als „Botschafterinnen für die Aufklärung und Akzeptanz von HIV und AIDS“ aus.

So viel soziale Kompetenz aus aller Damen Länder rief sogleich das von der FDP geführte Auswärtige Amt auf den Plan. Staatsministerin Cornelia Pieper wollte es sich nicht nehmen lassen, „interkulturelle Verständigung zu fördern und die Anerkennung für den Frauenfußball zu stärken.“ Was das deutsche Außenministerium mit ausländischem Fußball in Deutschland zu tun hat und warum ein obskures Wischiwaschi-Turnier mit dürftiger sportlicher Qualität förderungswürdig ist, blieb bis zum Finale eine offene Frage. Zuständig für Sport ist normalerweise der Bundesminister des Inneren. Aber klar: Auch Thomas de Maizière (CDU) ließ sich nicht lumpen und förderte das Turnier aus Mitteln seines Ressorts.

Doch nicht alle deutschen Dienststellen zogen so eifrig mit: Das sympathische FODEDE-Team aus Liberia kam nicht in den erhofften Genuß der staatlich alimentierten Deutschlandreise. Hinderungsgrund war ein offenbar wenig interkulturell bewegter Botschaftslegat in Ghana, der den verarmten Kickerinnen schlicht das Einreise-Visum ins gelobte Land vorenthielt. Valerie Assmann, Mitinitiatorin des quietschbunten Turniers, erklärte dazu: „Wahrscheinlich denkt die deutsche Botschaft, die Spielerinnen wollen hier bleiben. Die Botschaft hat erklärt, die Liberianerinnen hätten nicht gut genug belegt, daß sie finanziell, beruflich und wirtschaftlich in ihrem Heimatland verankert sind. Aber wie soll die Mannschaft, bei der alle arm, teils obdachlos sind, beweisen, daß sie finanziell, beruflich und wirtschaftlich verankert ist?“

Eine Einwanderungsabsicht hält „Al-Dersimspor“-Mitglied Assmann für abwegig: „Die Mannschaft hat schon in Australien auf der Obdachlosen-WM gespielt und damals sind alle zurückgekommen.“ Ob das vielleicht an den restriktiven Einwanderungsgesetzen des fünften Kontinents liegt, der nur Qualifizierte oder Begüterte ins Land läßt?

Exemplarisch für das bunte Treiben auf dem Spielfeld am Anhalter Bahnhof (Hinweis der Veranstalter: „Traurige Berühmtheit erlangte der Platz durch die ab 1942 durchgeführten Deportationen von Juden ins Konzentrationslager Theresienstadt.“) ist das wahrhaft vorbildliche „Peace Team“. Die Spielerinnen kommen „aus Israel und den palästinensischen Gebieten“. Ihre Mission: „Fußball als Friedensstifter“. Rund um das vom deutschen Steuerzahler gesponserte Turnier rankte sich ein bunter Reigen von Konzerten, Filmen, „Poetry Slam“, Märchenerzählerinnen und Gesprächen auf dem „Pink Sofa“. Daß bei dieser Fülle von Ablenkungen der sportliche Aspekt ins Hintertreffen geriet, ist nur allzu verständlich. So verabschiedete sich das National-Team Afghanistans nach nur drei Spielen mit 0:25 Toren  aus dem Turnier. Daß insgesamt sage und schreibe 111 Tore in nur 17 Spielen erzielt wurden, lag nicht unbedingt an der Durchschlagskraft der Stürmerinnen, sondern an der Tatsache, daß das Turnier auf einem Kleinfeld ausgetragen wurde, mit sieben gegen sieben Spielern in zweimal 30 Minuten. In Berlin darf der unbedarfte Fußballfreund lernen, was die FDP aus „Leistung muß sich lohnen“ gemacht hat: „Leistung spielt keine Rolle“, Hauptsache, Du bist arm, weiblich, unterprivilegiert, hast keine Puste für 90 Minuten und kommst aus einem exotischen Land – dann ist Dir die Förderung gleich zweier deutscher Ministerien gewiß.

Volker Hartmann

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