Über uns

Dr. Günther Deschner, Chefredakteur

Dr. Günther Deschner, Chefredakteur

Verehrter Leser,

ZUERST! Die erste Ausgabe des Deutschen Nachrichtenmagazins erfüllt den Anspruch, den der Titel stellt, mit Sinn und Inhalt: In der Auswahl der Themen, im politischen und kulturellen Blickwinkel und im Kommentar zu den Vorgängen in Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien bekennen sich Verlag und Redaktion ZUERST! zu den eigenen deutschen Interessen. Das gilt für die Titelgeschichte über den mit immer neuen Entwicklungen und Enthüllungen dramatisch bleibenden Finanzkrimi über Ursachen und Folgen der Bankenkrise. Und das gilt für die Berichte, Reportagen, Analysen und Interviews.

Natürlich denkt man in Deutschland, wenn vom journalistischen Typus eines „Nachrichtenmagazins“ die Rede ist, an den Spiegel – meist mit einer Mischung aus Respekt und Ärger. Respekt deswegen, weil die Magazingründung des 23jährigen Ex-Wehrmachtleutnants Rudolf Augstein in Deutschlands Mediengeschichte bis dahin beispiellos gewesen ist. Und mit Ärger, immer wieder Ärger, weil das Blatt über weite Strecken auch zersetzend gewirkt hat. Und weil es jedenfalls prägend gewesen ist für den Umbau der politischen Kultur in Westdeutschland – mit der Unterstützung etwa für den Bruch mit der eigenen deutschen Geschichte und für die – euphemistisch „Kulturrevolution“ genannte – Kulturvernichtung durch die 68er. Und weil es an der Grundierung einer kritisch verbrämten, aber letztlich doch nur moralisierenden Identität der Nachkriegsdeutschen und an der herrschenden Meinungsdiktatur der politischen Korrektheit mitgewirkt hat und mitwirkt.

Als ich 1987 zum 40jährigen Magazin-Jubiläum für die ARD einen 45-Minuten-Fernsehfilm über den Spiegel drehte, konnte ich Augstein direkte Fragen stellen. Aus den Antworten habe ich einiges mitgenommen. Durch das Magazin, sagte er, habe er „bestätigt bekommen, daß die Dinge nicht immer so bleiben müssen, wie sie verordnet werden“. Diesen Satz kann man sich merken. „Die Verfügung über Medien“, so lautet er ins Politische übersetzt, „ist die Befähigung, an der Veränderung der Verhältnisse mitzuwirken.“ Zu den Verhältnissen, an deren Entstehung und Erhaltung immer wieder auch der Spiegel beteiligt war, gehört auch das verfilzte Kartell aus Parteien und Medien, Talkshows und Politmagazinen, das durchsetzt, was von Fall zu Fall als einzig „politisch korrekte“ Information und Meinung gelten darf.

ZUERST! wird an dieser Entartung unseres politischen Systems und der Entmündigung des Volkes als politischer Souverän nicht mitwirken, sich dem Konformitätsdruck des Meinungskartells nicht unterordnen und unabhängige Stimme eines unabhängigen Journalismus sein.

Und noch eines wird anders sein als beim Spiegel: Im ARD-Fernsehfilm sagte Augstein, Deutschlands damals noch einziges Nachrichtenmagazin berichte über alles, was es als berichtenswert erachte. Wenn man sich in politischer Hinsicht entscheiden müsse, dann aber „im Zweifel für links“.

Auch wenn sich ein monatlich erscheinendes Nachrichtenmagazin wie ZUERST! nach Verkaufszahlen, finanzieller und personeller Kapazität etc. nicht mit der medialen Oberliga vergleichen kann und will, steht es doch in redaktionellen Zweifelsfällen oft vor den gleichen Fragen, die sich auch den etablierten Branchenriesen stellen. Als ich Augsteins „im Zweifel links“ im Gespräch mit dem Verleger von ZUERST! und mit der Redaktion zur Sprache brachte, war die Vergleichbarkeit dieser journalistischen Gretchenfrage sofort präsent, die Frage also, wie die politische und kulturpolitische Linie von ZUERST! „im Zweifel“ zu beschreiben sei.

Auch wir wollen das Gefühl, das uns antreibt, bestätigt bekommen, „daß die Dinge nicht immer so bleiben müssen, wie sie verordnet werden“. Wir wollen von jetzt an jeden Monat die vielfältigen Themen deutscher Innen- und Außenpolitik, von Kultur, Wissenschaft, Gesellschaft und Geschichte unter dem klaren Blickwinkel unserer eigenen deutschen Interessen betrachten, berichten und kommentieren. Und wenn wir in unserer sich wandelnden Welt des öfteren darüber nachdenken müssen, was unsere Interessen im Einzelfall ausmacht, wenn wir wählen müssen, dann – das wollen wir unseren Lesern, Partnern und Freunden versprechen – werden wir uns häufig anders als der journalistische „Mainstream“ entscheiden: „im Zweifel jedenfalls nicht links“.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Günther Deschner

Dr. Günther Deschner (68), Journalist, Buchautor, Dokumentarfilmer. Dr. Deschner war Redakteur und Ressortleiter Kulturpolitik der Tageszeitung Die Welt, Verlagsleiter der Verlage Lübbe und Straube und ist der führende Experte über das Volk der Kurden („Die Kurden – Volk ohne Staat“).